AUF DER SUCHE NACH DEM „PERFEKTEN“ SPIEL


Ich bin auf der Suche. Ich bin auf der Suche nach dem richtigen Spiel für meine momentane Lebenssituation, aber dieses Spiel muss wohl erst noch erfunden und programmiert werden…

Ich liebe Videospiele seit weit über 30 Jahren. Ich spiele auch heute mit Mitte 50 noch total gern, möglichst täglich. Ist nicht immer möglich, aber mehrmals am Tag habe ich mein Gaming-Hobby zumindest im Kopf. Das sich das noch einmal ändern wird ist nicht völlig unmöglich, aber recht unwahrscheinlich. Doch meine Liebe zu diesem Hobby wird jetzt schon seit längerer Zeit auf eine echt harte Probe gestellt. Es gibt seit Monaten/Jahren eigentlich nicht ein einziges Spiel, welches ich wirklich mit Hingabe gern spiele.

Früher war das deutlich einfacher. Viele Jahre genügten mir die jeweils neuesten Ableger von NHL, MLB THE SHOW, PES und/oder FIFA. Fertig war mein Glück. Dann kamen die Playstation Action-Adventures hinzu, allen voran die Spiele von Naughty Dog, die mich völlig beseelten. Auch die Rockstars mit ihrem GTA und Red Dead Redemtion konnten mich monatelang fesseln. Na, und dann erschien ja noch PUBG auf Konsole und hat mich die letzten Jahre begeistert. Also bis vor ca. 1 1/2 Jahren, mehr oder weniger mit dem Beginn der Corona-Pandemie, ist da aber eine Leere in mein Videospielleben getreten. Warum? Nun, das hat mehrere Gründe:

  • Ich werde älter. Ganz normal. Mit Mitte 50 hat man einen anderen Geschmack und andere Erwartungen an ein Videospiel als zB mit Mitte 30. Das ist keine Wertung. Das ist nicht gut oder schlecht. Ich merke einfach, dass ich heute anders über mein Hobby denke als noch vor 10 oder 20 Jahren.
  • Klar bin ich beruflich stark gefordert. Ich verspüre in meinem „richtigen Leben“ ziemlich viel Druck. Manchmal überkommen mich aufgrund der Corona-Situation sogar Existenzängste. Der Job ist 24/7präsent. Als Selbstständiger ist man 7 Tage die Woche gefordert und jede Stunde könnte etwas passieren, dass die volle Konzentration erfordert. Das macht etwas mit einem. Und das hat auch Einfluss auf das Gaming-Hobby.
  • Auch die Videospiel-Szene hat sich verändert. Gaming ist zu einer milliardenschweren Unterhaltungsindustrie herangewachsen. Spiele sind heute oftmals extrem umfangreich, verstehen sich als „Game As A Service“ und haben einfach einer ganz andere Herangehensweise als „früher“.

In vielen Games (und besonders in Spielserien) geht es immer um „höher, schneller, weiter“. Die Karte muss noch größer, die Aufgaben müssen noch vielschichtiger sein. Ich jedoch sehne mich nach Vertrautheit und klaren Grenzen.

In vielen Games wird der Spielspaß erst dann so richtig entfaltet, wenn man sich Expertenwissen erarbeitet und zB Charaktere bis zur obersten Grenze aufleveld. Ich jedoch möchte gern deutlich schneller in ein Spiel eintauchen und es verstehen können.

In vielen Games geht es um Reaktionsschnelligkeit und um bombastische Präsentationen. Ich jedoch suche Ruhe und Entspannung.

Mit meinen Sportspielen komme ich immer noch ganz gut zurecht, doch spiele ich die jetzt schon sooooooo viele Jahre, dass ich auch immer gern mal ein paar Wochen Pause einlege, um dann irgendwann wieder mit Freude weiter zu spielen. Das funktioniert ganz gut, bei allen anderen Genres ist es deutlich schwieriger geworden. Die Action-Adventures die mich ansprechen, sind momentan kaum existent. Ich bin kein Superhelden-Typ und auch übertriebene Fantasy-Erzählungen wie zB bei „God of War“ der „Horizon“ holen mich leider kaum ab.

Dann ist da natürlich eines meiner wichtigsten Spiele der letzten Jahre, PUBG. Da liebe ich immer noch die Atmosphäre, aber ich bin auch nach mehreren Jahren im „schießen“ immer noch einfach grottenschlecht. Gegner-Kontakt ist fast immer gleichbedeutend mit dem virtuellen ableben. Das Match-Making ist und bleibt aus meiner Sicht das größte Problem des Spiels, denn wenn ich es ausschließlich mit und gegen Gamern spielen könnte die ungefähr mein Niveau haben, dann wäre PUBG immer noch ein fast perfektes Spiel für mich. So wie es jetzt ist, ist es das aber nicht mehr.

Ich frage mich schon seit einiger Zeit, wie denn heute mein „perfektes Spiel“ sein müsste.

  • Es müsste „easy to learn but hard to handle“ sein.
  • Es sollte schon cool und modern aussehen
  • Es sollte mich auch langfristig motivieren.
  • Es sollte mir jederzeit die Möglichkeit geben das Tempo zu bestimmen. Mal fordernd und mal ganz entspannend – und zwar wann immer ich das will und nicht wann das Spiel es will.

Als die Girls & Boys von XBOX ankündigten, dass der „Microsoft Flight Simulator“ endlich auch auf Konsole spielbar sein wird, dachte ich bei mir: „DAS ist das perfekte Spiel für mich, denn es erfüllt alle eben genannten Kriterien:“ Falsch gedacht. Zwar ist der MSFS wirklich ein grandioses Spiel, schaut fantastisch aus und lässt sich selbst mit einem Controller akzeptabel bedienen, aber Langzeitmotivation bietet es keine. Schade.

Der MSFS hat mir aber eine ganz andere Tür geöffnet, nämlich der der „Simulationen“. Das Genre war für mich bis dahin völlig unbekannt. Jetzt hatte ich plötzlich die Hoffnung, dass es ja eine Simulation geben könnte, die alle meine oben erwähnten Erwartungen erfüllt. Ich kaufte die Jagd-Simulation „Call Of The Wild“, versuchte mich am „Train Sim“ und jetzt erst kürzlich am „Landwirtschaftssimluator 22“. Die Ernüchterungen folgten schnell. Simulationen haben anscheinend eines gemeinsam: Sie erklären so gut wie nix. Scheint immer nur etwas für Experten des jeweiligen Themas zu sein. Wenn man aber kein Jäger ist oder sich im echten Leben weder für Züge noch für Landwirtschaft interessiert, dann ist man ganz schnell verloren. Ähnlich wird es wohl auch bei LKW-, Bus- oder sonstigen Simulationen sein. Die Motivation mich in Themen einzuarbeiten die mir privat nicht so liegen, habe ich aktuell einfach nicht.

Bei „Call Of The Wild“ bin ich da noch am weitesten und es gefällt mir von allen Simulationen auch am besten, eben weil es so entschleunigt ist. Wenn ich will, kann ich auch einfach nur auf meinem Hochsitz sitzen und die wunderschöne Grafik und Atmosphäre genießen. Beim LS22 muss ich hingegen arbeiten. Das zwar auch im ruhigen Tempo, aber was der MSFS an Aufgaben zu wenig hat, hat der LS22 zu viel.

Moment. Ein Fussballmanager könnte doch eine Möglichkeit sein. Mit dem Sport kenne ich mich aus – aber ich habe keinen PC. Ich bin nur Konsolenspieler. Und der „Sega Fussball Manager“ ist viel zu textlastig und hat auf mich den Charme einer Excel-Tabelle.

Okay, dann doch keine Simulationen? Es gibt ja noch andere ruhige Spiele wie zB „Lake“, welches mir sehr gut gefällt… doch solche storylastigen Spiele sind recht kurz. Zu kurz. Klar kann man auch die neusten Assassins Creed Teile spielen. Die sind extrem umfangreich und erlauben es auch selbst zu bestimmen ob man Action sucht oder einfach nur die Gegend genießt – aber da machen mich ja schon die ganzen Haupt- und Nebenaufgaben nervös. Auch das wirkt auf mich mehr wie Arbeit als Vergnügen.

Tja, und so suche ich noch weiter nach einem „perfekten Spiel“ für mich. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, denn ich weiß ich bin nicht alleine. Da draußen gibt es viele BEST AGER GAMER wie mich, die immer noch richtig Bock auf ihr Hobby haben, aber bei den aktuelle Spielen zu oft zu viele Kompromisse eingehen müssen. Wo ist also ein Spiel welches „easy to learn but hard to handle“ ist? Welches großartig ausschaut und einen auch langfristig motiviert? Welches einem jederzeit die Möglichkeit gibt das Tempo selbst zu bestimmen? Ich informiere Euch wenn ich es gefunden habe. Und wenn Ihr es findet, schreibt mir bitte hier in die Kommentare.

LG Hoobs

2 Gedanken zu “AUF DER SUCHE NACH DEM „PERFEKTEN“ SPIEL

  1. rasi

    moin hoobs,
    du sprichst mir als endvierziger aus der seele.
    die ganzen großen remmidemmi prequels und sequels prallen emotional komplett an mir ab, sind entweder redundant bis zum abwinken, komplett verkopft oder funktionieren nur noch auf basis von irgendwelchen daily-mission-karotten, die man vor des spielers nase hängt.
    für mich gibt es da tatsächlich eine lösung und die heißt nintendo.
    gönn dir ne switch und spiele mario odyssey und zelda breath of the wild. vielleicht nicht so schön wie die konkurrenz, aber in sachen game design, polishing, einfallsreichtum und pacing eine eigene liga.
    liebe grüße aus hamburg

  2. Hallo Hoobs,

    ein sehr guter Beitrag. Das Problem würde ich gar nicht so sehr am Alter festmachen. Viel eher gibt es neue Entwicklungen in der Spielebranche wie du sie auch bereits angesprochen hast (Games as a Service, Game Pass usw.)

    Oder man kann auch die Frage stellen: Wie sieht der „perfekte“ Beruf aus?

    Der Stress im Beruf ist heute wohl größer als vor einigen Jahren. Beispiel hierbei wäre auch Social Media. Als Selbstständiger ist auch das ein sehr goßes Thema geworden. Kunden beschweren sich, man muss darauf reagieren können. In der Gastronomiezum Beispiel auch ein andauerndes Thema. Denn manche Gäste schreiben bereits nach der Vorsuppe eine negative Google-Rezension (bevor der Hauptgang überhaupt serviert wurde). Das erhöht den Druck. Dazu sind viele Menschen heute gereizter, der Ton schärfer, Filterblasen überall, Diskussionskultur ist kaum noch vorhanden.

    Das kann sich auf das Spieleerlebnis sehr negativ auswirken. Doch sollten wir an ein Videospiel denn überhaupt so große Anforderungen stellen? Ein Videospiel, dass sich unserer beruflichen Situation anpassen soll? Das kann es nicht geben. Der Erwartungshorizont ist aber dennoch gestiegen. Vielleicht gab es diesen Anspruch vor 15-20 Jahren jedoch einfach noch nicht. Wenn uns ein Spiel 2-3 Wochen gepackt hat und begeistern konnte, waren wir maximal zufrieden. Heute müssen es Monate, wenn nicht gar Jahre sein, damit ein Spiel als gut empfunden wird. Bei einem Film sind wir dagegen zufrieden, wenn er uns an einem Abend gut unterhalten hat.

    Die Spielebranche hat sich aber auch verändert. Eines deiner besten Spielejahre war das Jahr 2007. Titel wie Assassins Creed haben eine große doch gleichzeitig noch überschaubare Spielewelt geboten. Dazu gab es eine reduzierte Spielmechanik ohne Crafting etc. Und auch medial gab es weniger Ablenkungen. Youtube war neu und beschränkte sich noch auf Katzenvideos. Es gab wenige Podcasts. Videostreamingdienste gab es auch keine. Dazu keine Flatrates für Musik und Buch. Und eben auch keinen Game Pass. Hier können wir viele Spiele ausprobieren, brechen sie aber auch mitunter nach wenigen Minuten wieder ab.

    Wir haben durch Beruf und mediale Entwicklungen schon viel weniger Ruhe, um ein Spiel langsam wahrzunehmen. Vielleicht gibt es also bereits längst das perfekte Spiel. Wir haben nur keine Ruhe in uns selbst, um ein Spiel an uns heranzulassen. Heute ist auch das Spieleangebot so vielfältig wie nie zuvor – Indie bis AAA Blockbuster – was eigentlich mehr „perfekte“ Spiele hervorbringen müsste. Doch wir können uns teilweise gar nicht mehr mit dieser Hingabe darauf einlassen.

    Viele Grüße

    Raptor

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